Die biblische Anthropologie
Wenn wir nun chronologisch weitergehen, dann sind wir an dem Punkt angelangt, den wir in den beiden Schöpfungsberichten in der Genesis lesen können. Wenngleich einige Diskussionen darüber bestehen, ob die Berichte dort bildlich, gar allegorisch oder wirklich so geschehen sind, so gehe ich hier davon aus, dass die Dinge so geschehen sind, wie sie dort stehen. Wenn man diesen Ansatz verfolgt, kommt man übrigens zu gewaltigen Resultaten und diese sind umso mehr faszinierend, wenn man bedenkt, wann dieses Buch geschrieben wurde.
Die tiefer gehende Diskussion zum Thema Wissenschaft und Theologie würde ich gerne auf das Kapitel Sinnflut verschieben, weil dann die Faktenlage aus den biblischen Berichten schon um einiges umfangreicher ist.
Gott schafft also nun die sichtbare Welt mit all den umgegebenden Sternen, der Sonne und dem Mond. Er bereitet auf dieser Welt einen speziellen Garten, in den er Adam hineinsetzt.
In den Schöpfungsberichten lesen wir einen interessanten Unterschied zwischen den Menschen und den Tieren:
1. Mose 1
20 Und Gott sprach: Es soll das Wasser vom Gewimmel lebender Wesen wimmeln, und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels!
21 Und Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel, nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.
22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!
23 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.
24 Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und wilde Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es geschah so.
25 Und Gott machte die wilden Tiere der Erde nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art und alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Wenn Gott über Tiere redet, dann sind es lebendige Wesen, wörtlich lebendige Seelen. Bei den Menschen ist es etwas anders:
1. Mose 1
26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!
27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.
Wenn Gott die Menschen nach seinem Bilde macht, wobei das Wort „ähnlich“ bedeutet: „gemäß dem gleichen Aussehen“, dann bleibt die Frage worin sich das ausdrückt, wenn doch Gott Geist ist, wie wir bereits herausgearbeitet haben. Wenn wir der biblischen Anthropologie folgen, dann besteht der geistliche Mensch aus Leib, Seele und Geist:
1. Thess 5
23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!
Nirgends in der Bibel lesen wir, dass ein Tier einen Geist hat. Hier schon offenbaren sich alle psychologischen und medizinischen Ansätze als unvollständig, wenn sie nicht den wichtigsten Teil unserer Identität, nämlich den, der am allermeisten nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, sprich unseren Geist, berücksichtigen.
Somit beantwortet sich eine klassische Sonntagsschulfrage hier schon: Kommt mein Meerschweinchen in den Himmel? Die Antwort ist leider nein, denn ein Meerschweinchen besteht nur aus Seele und Leib, es hat also nichts Geistliches an sich, womit es den Himmel betreten könnte. Das Gute ist, dass das Meerschweinchen auch selbst keinen Bedarf hat, in den Himmel zu kommen, sondern nu rsein glückliches Meerschweinchendasein auf Erden fristen möchte.
Im weiteren Verlauf der Geschichte sehen wir ja, das Adam und Eva mit Gott und der Schlange reden. Beide sind geistliche Wesen, somit können sie nur mittels ihres Geistes mit ihnen kommunizieren, so wir das im Neutestamentlichen Fachgebrauch als Prophetie, bezeichnet wird.
Die Konsequenz, die sich aus diesen Fakten ergibt wird noch wesentlich wichtiger, wenn wir uns die Bäume und den Sündenfall genauer anschauen, aber es bleibt bis hierher festzuhalten, dass die Trennung in der Wahrnehmung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt damals noch nicht im Menschen existent war. Beide Bereiche bildeten nicht nur in der Realität eine Einheit, sondern wurden auch vom Menschen gleichermaßen rezipiert. Das ist heute wohl nicht mehr so, deshalb betone ich diesen Seinszustand besonders, weil er Teil der Art und Weise ist, wie Gott den Menschen von Anfang an geschaffen hat.
Die Bäume im Paradies
Eine übliche Argumentation, dass Gott den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen in das Paradies gepflanzt hat ist, dass Adam und Eva daran Gehorsam lernen sollten. So gab es etwas, dass ihnen verboten war und das ihnen dann zum Fallstrick wurde – könnte man meinen…
Wenn ich mir anmaßen darf Gott aus pädagogischer Sicht zu kritisieren – was ich nicht tue, aber was ich müsste, wenn wir obigem Ansatz folgen würden – dann wäre Gott ein ziemlich schlechter Erzieher. Denn wenn ich Kinder habe und möchte, dass sie etwas nicht tun, dann gilt doch der klassische Vorsatz: Führe sie nicht in Versuchung.
Die heiße Herdplatte darf hier im pädagogischen Anschauungsunterricht natürlich nicht fehlen: Wenn ich möchte, dass ich meine Kinder an ihr nicht die Finger verbrennen, sollte ich als allererstes die heiße Herdplatte vor den Kinderhänden schützen. Aber dem Kinde zu sagen, fasse sie nicht an, denn sie ist heiß, bewirkt überhaupt nichts außer dem Wunsch das Kindes festzustellen, ob ich Recht habe. Wenn sie sich so an ihr verbrennen würden, dann wäre meine Reaktion auch nicht die zu sagen: „Na, habe ich euch es nicht gesagt“, sondern ich würde meinen Kindern helfen, sie trösten,… .In meiner Gegenwart würde ich sogar eingreifen, wenn ich sehen würde, dass sich eine Kinderhand dem bösen Herd nähern würde…
Gut also was will ich sagen: Gott musste einen anderen Grund gehabt haben, als Adam und Eva Gehorsam zu lehren, wenn er die Bäume in das Paradies, also das perfekte Setting für seine große Kennenlernaktion zwischen Gott und den Menschen gestellt hatte. Wenn wir nach dieser ersten Betrachtung der Bäume das Objektiv nun zum Weitwinkel aufdrehen und uns das Gesamtbild anschauen, dann will ich mit einer gewagten Hypothese die Diskussion abkürzen:
Wenn Gott die Bäume in das Paradies gestellt hat, dann wollte er, dass Adam und Eva auch von ihnen essen. Allerdings in einer bestimmten Reihenfolge: Zuerst vom Baum des Lebens, dann vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Daher standen die Bäume dort bereits.
Bevor ich diese These untermauere und auch auf mögliche Kritik eingehe, wollen wir uns die Bäume einzeln anschauen.
Der Baum des ewigen Lebens
Das interessante ist, dass der Mensch von Anfang an von diesem Baum essen durfte, es allerdings nicht tat. Nur vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen durfte (noch) nicht gegessen werden. Wofür steht also der Baum des ewigen Lebens? Folgen wir der biblischen Symbolik bis Nomenklatur ergibt sich eine deutliche Antwort:
Joh 14
6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.
Das ewige Leben ist Jesus selbst als der Weg zum Vater. Wir finden Jesus im Himmel in der Offenbarung des Johannes auch als Lamm:
Offb 5
6 Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.
An anderer Stelle ist Jesus ein Löwe:
Offb 5
5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.
Ist Jesus nun, wenn wir ihn im Himmel sehen, ein Menschen-ähnliches Wesen, ein Löwe, ein Lamm oder gar ein Baum? Diese fast provokant polemisch anmutende Frage ist überhaupt nicht so gemeint. Aber sie beschreibt einen wichtigen Punkt: Wir können das ewige, unsichtbare, himmlische mit irdischen Attributen immer nur als Stückwerk beschreiben oder schauen. Wenn im Paradies Jesus als Baum des ewigen Lebens geschaut wird, dann untermauert das einerseits die These, dass das Sichtbare und Unsichtbare nicht getrennt wahrgenommen wurde, andererseits betont es den Aspekt, mit dem Jesus sich im Garten Eden offenbarte. Und wir sind dabei nicht der Allogerese verfallen, wo wir Dinge nur bildhaft und übertragend deuten. Bildhaft schon, allerdings eben mit einer vollkommen anderen Begründung, nämlich einer Pneumatischen, denn es geht um geistliche Dinge.
Gott wollte also Gemeinschaft mit Adam und Eva im Garten Eden haben:
1. Mose 3
8 Und sie hörten die Stimme Gottes, des HERRN, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des HERRN, mitten zwischen den Bäumen des Gartens.
Gott kam immer zur Kühle des Tages, also zur schönsten Tageszeit, damit die Menschen ihn kennenlernen sollten. Wenn sie ihn dann mochten, würde der Wunsch nach ewiger Gemeinschaft sie dazu leiten, vom Baum des ewigen Lebens zu essen.
Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen
Wofür stand dieser Baum und warum durften sie von ihm (noch) nicht essen? Ein Vergleich mit der Theologie mag hier einiges veranschaulichen. Wenn jemand mit historisch-kritischem Ansatz die Bibel analysiert, ohne Gott zu kennen, können die Ergebnisse nur verheerend sein. Die Person hat zwar Intellekt und Ratio genutzt, um das vorliegende Werk die Bibel zu analysieren und die historisch-kritische Methode wirft ja nicht nur schlechte Ergebnisse ab, aber wenn ich Gott wissenschaftlich ergründen will, ohne ihn vorher zu kennen, kann das nicht funktionieren. Andersherum allerdings ist es eine spannende Angelegenheit. Gott zu kennen dann der Bibel bis auf den Grund zu gehen, ist genau das, wie Gott es sich vorgestellt hat.
Wenn also Gott wollte, dass Adam und Eva mit Intellekt und Ratio ihm gegenübertreten, dann ist es hilfreich, diesen auch zu bekommen. Ein Kind lernt seine Eltern auch kennen, ohne vorher einen Master in Entwicklungspsychologie zu haben. Das wichtigste an Eltern ist ja auch nicht, dass sie ihr Kind erziehen, sondern dass sie es lieben und mit ihm Gemeinschaft haben. Dass sie es dabei auch Erziehen ist dann selbstverständlich.
Der Sündenfall
Eine Frage hat sich mir immer gestellt, wenn ich dem biblischen Bericht des Sündenfalls gelesen habe: Wie lange waren Adam und Eva im Paradies als er stattfand. Denn immerhin hatten sie trotz ihres Vermehrungsauftrages noch keine Kinder und noch viel wichtiger ist die Frage, haben sie Gott erst so wenig gekannt, dass sie der Lüge der Schlange glaubten?
Wenn Gottes Plan war, dass sie ihn ja wirklich kennenlernen sollten, ist diese Frage allemal berechtigt.
Der kundige Leser weiß, dass die Schlange Adam und Eva verführte vom falschen Baum zuerst zu essen. Was war allerdings die Sünde daran? Schauen wir uns angedrohte Konsequenz an:
1. Mose 3
3 aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!
Die Konsequenz war, dass sie sterben. Bevor wir fragen, ob das eine Strafe war oder eben eine Folge ihres Handelns, beobachten wir den weiteren Verlauf der Geschichte:
Was tat Gott nachdem sie von der Frucht gegessen hatten? Er kam wieder in der Kühle des Tages zu den beiden. Obwohl Gott wusste, dass sie etwas Falsches getan hatten, kam Gott weil er Gemeinschaft mit ihnen haben wollte. Der Sündenfall war also nichts, was Gott von den Menschen trennte, wohl aber andersherum.
1. Mose 3
9 Und Gott, der HERR, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?
10 Da sagte er: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin, und ich versteckte mich.
Das Problem war, dass die Menschen darauf hin keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben wollten. Das war das Grundübel der Menschheit. Ihre Schuld war nicht das, was Gott bewog sich als Strafe nicht mehr mit ihnen zu treffen.
Die Konsequenz des Sündenfalls
Die Konsequenz des Sündenfalls sollte, sein, dass Adam und Eva sterben sollten. Im weiteren biblischen Bericht fleuchen sie aber noch sehr rege durch die frühe Menschheitsgeschichte. Hatte Gott sich geirrt? Wenn ihr Leib und ihre Seele nicht gestorben waren, dann bleibt nur eines übrig: Ihr Geist! Daher sagt Jesus, dass dieser Geist erst wieder von neuem geboren werden muss, wenn wir ins Himmelreich kommen wollen:
Joh 3
3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Die Menschheit war um ihre Gottähnlichkeit beraubt worden und sie konnte danach auch nur sehr unvollkommen mit Gott kommunizieren und nur wenige konnten in das Himmelreich hineinsehen. Hier schließt sich ein erster Kreis, der im ersten Kapitel begonnen wurde. Die Konsequenz des Sündenfalls war eben die, das die Menschen keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben wollten und auch nur begrenzt haben konnten, weil ihr Geist starb. Wie bereits aufgezeigt wurde, konnten solche, die Gott wieder suchten bemerkenswerte Erfahrungen des Himmelreiches machen. Es liegt bis heute nicht an Gott sich uns offenbaren zu wollen, sondern am Menschen, der Gott nicht sucht und keine Gemeinschaft ihm haben möchte.
Die Anthropologie des gefallenen Menschen
Sehr wichtig ist mir hier darzustellen, dass wir im Bericht des Sündenfalles keinem strafenden Gott begegnen sondern einem liebenden, der in seinem Plan mit den Menschen Gemeinschaft zu haben schmerzlich zurückgeworfen wurde.
Die Konsequenzen des Sündenfalles waren nicht Gottes mehr oder weniger willkürliche Strafmaßnahmen, sondern alleine Folgen des Handelns des Menschen. Gott suchte die Menschen auch nach dem Sündenfall, aber sie ließen sich nicht von ihm finden.
Es gibt einen eigenen Bereich der christlichen Ethik, die Scham- und Schuldethik, die Elenktik. Wir lesen im Schöpfungsbericht, dass Adam und Eva sich für ihre Nacktheit im Paradies erst schämten, nachdem sie gefallen waren. Scham ist immer die Konsequenz unseres religiösen Maßstabs, aber nicht Gottes Maßstabs, denn er hatte keine Probleme mit der Nacktheit der beiden (das ist kein Aufruf zum Nudismus, denn wir leben in einer Welt dessen kulturelle Gegebenheiten wir respektieren sollten). Das Problem der Menschheit ist, dass durch die falsche Reihenfolge der geistlichen Nahrungsaufnahme, die Seele sich durch ihr Bemühen Gut und Böse unterscheiden zu können, sich zur autonomen leitenden Instanz des Menschen erhoben hat. Das nennt die Bibel im neuen Testament das Fleisch:
Röm 7
14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft;
Dieses Fleisch folgt durchaus selbst definierten religiösen Maßstäben, die dann Scham und Schuld erzeugen. Es ist hier noch zu früh, die Paulinische „in Christus“-Thematik zu entfalten, aber sie ist Gottes Antwort auf die Anthropologie des gefallenen Menschen.
Aber der Identitätsgebende Geist des Menschen war gestorben, so dass die Menschen ein ernsthaftes Problem hatten, sich selbst nun eine Identität außerhalb der Gemeinschaft mit Gott geben zu müssen. Wenn Gott der Erfinder von Gemeinschaft ist, wie sollen wir rechte Gemeinschaft ohne ihn lernen? Wenn wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, wie sollen wir uns eine rwhte Identität ohne ihn geben? Es ist kaum möglich.
Der Status Quo nach dem Sündenfall
Fassen wir am Ende dieses Kapitels zusammen: Gott wollte die Menschen in einer perfekten Umgebung kennenlernen, ihnen dann ewiges Leben schenken, dann durften sie auch Erkenntnis über Gut und Böse erlangen und alles wäre Palletti. Nun waren die Menschen schon da und sie haben sich gegen Gott entschieden. Aber Gott hat Hoffnung und vor allem einen Plan. Diesen kündigt er auch an:
1. Mose 3
14 Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens!
15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.
Der Erlöser der Menschheit wird kommen und er wird aus dem Samen (Nachkommenschaft) der Frau sein! Auch die „Flüche, die Gott den Menschen auferlegt, verdienen eine genaue Betrachtung:
1. Mose 3
16 Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!
17 Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! – so sei der Erdboden deinetwegen verflucht: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens;
18 und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen!
19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!
Gehen wir der Reihenfolge nach vor:
Schmerzen bei der Geburt: Sind diese von Gott oder eine Konsequenz, weil der Teufel nicht will, dass die Frau Nachkommenschaft auf die Welt bringt?
Nach dem Mann soll das Verlangen der Frau sein: Wenn die Frau als Psychologisch sensibleres Wesen nun keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben kann, ist es mehr als logisch, dass sie dieses Defizit stärker kompensieren muss als der Mann.
Der Mann wird über die Frau herrschen: Die göttliche Schöpfungsordnung ist ja nun ein wenig aus den Angeln geraten. Der Mensch ist geschaffen zu herrschen. Wenn er das nicht mehr in Gottes Autorität tun kann, muss er sich seine Opfer woanders suchen. Über die Frau zu herrschen ist ein leichtes, denn ihr Verlangen ist ja nach dem Manne. Ich sehe hier weniger ein ethisches Konzept des Herrn für die gefallene Schöpfung, sondern die Kompensation der Defizite beider Geschlechter.
Der Erdboden ist verflucht: Gott hat die Herrschaft über die Erde den Menschen gegeben. Wenn diese in Autonomie ohne Gott angewandt wird, kommt einfach kein Erfolg zu Stande.
Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen: Wenn wir nicht auf Gottes Hilfe vertrauen, dann wird es für uns anstrengend, weil wir dann Arbeiten müssen.
Denn Staub bist du, zu Staub wirst du werden: Wenn Adam dem göttlichen Geist nicht mehr Inne hat, bleibt nur Staub übrig.
Wir sehen also, dass diese „Flüche“, wie übrigens jeder Fluch einzig Konsequenzen des Handelns des Menschen sind. Alle Ableitungen über Gottes Souveränität die sich in willkürlichen Strafmaßnahmen ausdrückt, sind hier fehl am Platze.
Gott straft nicht!
Wenn Gott nicht straft, dann ergeben sich für unser Leben nachhaltige ethische Konsequenzen, denn wenn Gott es nicht tut, sollten wir es auch nicht tun. Damit meine ich nicht, dass wir keine rechtsstaatliche Legislative, Judikative und Exekutive mehr brauchen, denn genau dafür ist der Staat da, um noch eine kleine Seitenbemerkung zur politischen Ethik zu geben:
Röm 13
1 Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten! Denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet.
2 Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil1 empfangen.
3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben;
4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe2 für den, der Böses tut.
Persönlich sollten wir einen Lebensstil der Gnade und der Liebe als Konsequenz, Gottes Ebenbild zu sein, anstreben. Dem Leser kann nur schwerlich entgehen, worauf ich die Betonung lege. Gott hat immer Gründe, warum er Dinge tut und wenn Dinge passieren, die wir nicht verstehen, dann sollten wir nicht Gott die Schuld geben, weil er nicht schuld daran ist. Hier wird die Frage hinfällig, die da heißt: Warum lässt Gott all das Leid auf der Welt zu! All das Leid der Welt ist von den Menschen selbst produziert und Gott ein Gott ist, der zu seinem Wort steht:
Psalm 115
16 Der Himmel ist der Himmel des HERRN, die Erde aber hat er den Menschenkindern gegeben.
Der gefallene Mensch ist nach wie vor der Besitzer der Erde und nicht Gott. Wenn wir wollen, dass Gott dennoch eingreift, dann geht das nur, wenn wir ihm durch unsere Gebete die Erlaubnis beten. Das können nur Menschen tun, die Gemeinschaft mit ihm haben und immer wieder suchen. Gott ist gut, er war es immer und er wird es immer bleiben!