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Hallo an alle Wanderer im Internet und Theologiestudenten,

wegen der großen Nachfrage entwickle ich meine Ethik des Himmelreichs hier doch wieder. Das heißt nicht, dass ich die alten Kapitel nochmals überarbeitet reinstelle, sondern anhand der Heilsplanes Gottes nun chronologisch durch die Bibel versuche, die wichtigsten ethischen Lebensfragen im Kontext zu beantworten. Viel Spaß beim Lesen!

Die biblische Anthropologie

Wenn wir nun chronologisch weitergehen, dann sind wir an dem Punkt angelangt, den wir in den beiden Schöpfungsberichten in der Genesis lesen können. Wenngleich einige Diskussionen darüber bestehen, ob die Berichte dort bildlich, gar allegorisch oder wirklich so geschehen sind, so gehe ich hier davon aus, dass die Dinge so geschehen sind, wie sie dort stehen. Wenn man diesen Ansatz verfolgt, kommt man übrigens zu gewaltigen Resultaten und diese sind umso mehr faszinierend, wenn man bedenkt, wann dieses Buch geschrieben wurde.

Die tiefer gehende Diskussion zum Thema Wissenschaft und Theologie würde ich gerne auf das Kapitel Sinnflut verschieben, weil dann die Faktenlage aus den biblischen Berichten schon um einiges umfangreicher ist.

Gott schafft also nun die sichtbare Welt mit all den umgegebenden Sternen, der Sonne und dem Mond. Er bereitet auf dieser Welt einen speziellen Garten, in den er Adam hineinsetzt.

In den Schöpfungsberichten lesen wir einen interessanten Unterschied zwischen den Menschen und den Tieren:

1. Mose 1

20 Und Gott sprach: Es soll das Wasser vom Gewimmel lebender Wesen wimmeln, und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels!

21 Und Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel, nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!

23 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.

24 Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und wilde Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es geschah so.

25 Und Gott machte die wilden Tiere der Erde nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art und alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.

Wenn Gott über Tiere redet, dann sind es lebendige Wesen, wörtlich lebendige Seelen. Bei den Menschen ist es etwas anders:

1. Mose 1

26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!

27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.

Wenn Gott die Menschen nach seinem Bilde macht, wobei das Wort „ähnlich“ bedeutet: „gemäß dem gleichen Aussehen“, dann bleibt die Frage worin sich das ausdrückt, wenn doch Gott Geist ist, wie wir bereits herausgearbeitet haben. Wenn wir der biblischen Anthropologie folgen, dann besteht der geistliche Mensch aus Leib, Seele und Geist:

1. Thess 5

23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!

Nirgends in der Bibel lesen wir, dass ein Tier einen Geist hat. Hier schon offenbaren sich alle psychologischen und medizinischen Ansätze als unvollständig, wenn sie nicht den wichtigsten Teil unserer Identität, nämlich den, der am allermeisten nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, sprich unseren Geist, berücksichtigen.

Somit beantwortet sich eine klassische Sonntagsschulfrage hier schon: Kommt mein Meerschweinchen in den Himmel? Die Antwort ist leider nein, denn ein Meerschweinchen besteht nur aus Seele und Leib, es hat also nichts Geistliches an sich, womit es den Himmel betreten könnte. Das Gute ist, dass das Meerschweinchen auch selbst keinen Bedarf hat, in den Himmel zu kommen, sondern nu rsein glückliches Meerschweinchendasein auf Erden fristen möchte.

Im weiteren Verlauf der Geschichte sehen wir ja, das Adam und Eva mit Gott und der Schlange reden. Beide sind geistliche Wesen, somit können sie nur mittels ihres Geistes mit ihnen kommunizieren, so wir das im Neutestamentlichen Fachgebrauch als Prophetie, bezeichnet wird.

Die Konsequenz, die sich aus diesen Fakten ergibt wird noch wesentlich wichtiger, wenn wir uns die Bäume und den Sündenfall genauer anschauen, aber es bleibt bis hierher festzuhalten, dass die Trennung in der Wahrnehmung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt damals noch nicht im Menschen existent war. Beide Bereiche bildeten nicht nur in der Realität eine Einheit, sondern wurden auch vom Menschen gleichermaßen rezipiert. Das ist heute wohl nicht mehr so, deshalb betone ich diesen Seinszustand besonders, weil er Teil der Art und Weise ist, wie Gott den Menschen von Anfang an geschaffen hat.

Die Bäume im Paradies

Eine übliche Argumentation, dass Gott den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen in das Paradies gepflanzt hat ist, dass Adam und Eva daran Gehorsam lernen sollten. So gab es etwas, dass ihnen verboten war und das ihnen dann zum Fallstrick wurde – könnte man meinen…

Wenn ich mir anmaßen darf Gott aus pädagogischer Sicht zu kritisieren – was ich nicht tue, aber was ich müsste, wenn wir obigem Ansatz folgen würden – dann wäre Gott ein ziemlich schlechter Erzieher. Denn wenn ich Kinder habe und möchte, dass sie etwas nicht tun, dann gilt doch der klassische Vorsatz: Führe sie nicht in Versuchung.

Die heiße Herdplatte darf hier im pädagogischen Anschauungsunterricht natürlich nicht fehlen: Wenn ich möchte, dass ich meine Kinder an ihr nicht die Finger verbrennen, sollte ich als allererstes die heiße Herdplatte vor den Kinderhänden schützen. Aber dem Kinde zu sagen, fasse sie nicht an, denn sie ist heiß, bewirkt überhaupt nichts außer dem Wunsch das Kindes festzustellen, ob ich Recht habe. Wenn sie sich so an ihr verbrennen würden, dann wäre meine Reaktion auch nicht die zu sagen: „Na, habe ich euch es nicht gesagt“, sondern ich würde meinen Kindern helfen, sie trösten,… .In meiner Gegenwart würde ich sogar eingreifen, wenn ich sehen würde, dass sich eine Kinderhand dem bösen Herd nähern würde…

Gut also was will ich sagen: Gott musste einen anderen Grund gehabt haben, als Adam und Eva Gehorsam zu lehren, wenn er die Bäume in das Paradies, also das perfekte Setting für seine große Kennenlernaktion zwischen Gott und den Menschen gestellt hatte. Wenn wir nach dieser ersten Betrachtung der Bäume das Objektiv nun zum Weitwinkel aufdrehen und uns das Gesamtbild anschauen, dann will ich mit einer gewagten Hypothese die Diskussion abkürzen:

Wenn Gott die Bäume in das Paradies gestellt hat, dann wollte er, dass Adam und Eva auch von ihnen essen. Allerdings in einer bestimmten  Reihenfolge: Zuerst vom Baum des Lebens, dann vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Daher standen die Bäume dort bereits.

Bevor ich diese These untermauere und auch auf mögliche Kritik eingehe, wollen wir uns die Bäume einzeln anschauen.

Der Baum des ewigen Lebens

Das interessante ist, dass der Mensch von Anfang an von diesem Baum essen durfte, es allerdings nicht tat. Nur vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen durfte (noch) nicht gegessen werden. Wofür steht also der Baum des ewigen Lebens? Folgen wir der biblischen Symbolik bis Nomenklatur ergibt sich eine deutliche Antwort:

Joh 14

6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Das ewige Leben ist Jesus selbst als der Weg zum Vater. Wir finden Jesus im Himmel in der Offenbarung des Johannes auch als Lamm:

Offb 5

6 Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.

An anderer Stelle ist Jesus ein Löwe:

Offb 5

5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.

Ist Jesus nun, wenn wir ihn im Himmel sehen, ein Menschen-ähnliches Wesen, ein Löwe, ein Lamm oder gar ein Baum? Diese fast provokant polemisch anmutende Frage ist überhaupt nicht so gemeint. Aber sie beschreibt einen wichtigen Punkt: Wir können das ewige, unsichtbare, himmlische mit irdischen Attributen immer nur als Stückwerk beschreiben oder schauen. Wenn im Paradies Jesus als Baum des ewigen Lebens geschaut wird, dann untermauert das einerseits die These, dass das Sichtbare und Unsichtbare nicht getrennt wahrgenommen wurde, andererseits betont es den Aspekt, mit dem Jesus sich im Garten Eden offenbarte. Und wir sind dabei nicht der Allogerese verfallen, wo wir Dinge nur bildhaft und übertragend deuten. Bildhaft schon, allerdings eben mit einer vollkommen anderen Begründung, nämlich einer Pneumatischen, denn es geht um geistliche Dinge.

Gott wollte also Gemeinschaft mit Adam und Eva im Garten Eden haben:

1. Mose 3

8 Und sie hörten die Stimme Gottes, des HERRN, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des HERRN, mitten zwischen den Bäumen des Gartens.

Gott kam immer zur Kühle des Tages, also zur schönsten Tageszeit, damit die Menschen ihn kennenlernen sollten. Wenn sie ihn dann mochten, würde der Wunsch nach ewiger Gemeinschaft sie dazu leiten, vom Baum des ewigen Lebens zu essen.

Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen

Wofür stand dieser Baum und warum durften sie von ihm (noch) nicht essen? Ein Vergleich mit der Theologie mag hier einiges veranschaulichen. Wenn jemand mit historisch-kritischem Ansatz die Bibel analysiert, ohne Gott zu kennen, können die Ergebnisse nur verheerend sein. Die Person hat zwar Intellekt und Ratio genutzt, um das vorliegende Werk die Bibel zu analysieren und die historisch-kritische Methode wirft ja nicht nur schlechte Ergebnisse ab, aber wenn ich Gott wissenschaftlich ergründen will, ohne ihn vorher zu kennen, kann das nicht funktionieren. Andersherum allerdings ist es eine spannende Angelegenheit. Gott zu kennen dann der Bibel bis auf den Grund zu gehen, ist genau das, wie Gott es sich vorgestellt hat.

Wenn also Gott wollte, dass Adam und Eva mit Intellekt und Ratio ihm gegenübertreten, dann ist es hilfreich, diesen auch zu bekommen. Ein Kind lernt seine Eltern auch kennen, ohne vorher einen Master in Entwicklungspsychologie zu haben. Das wichtigste an Eltern ist ja auch nicht, dass sie ihr Kind erziehen, sondern dass sie es lieben und mit ihm Gemeinschaft haben. Dass sie es dabei auch Erziehen ist dann selbstverständlich.

Der Sündenfall

Eine Frage hat sich mir immer gestellt, wenn ich dem biblischen Bericht des Sündenfalls gelesen habe: Wie lange waren Adam und Eva im Paradies als er stattfand. Denn immerhin hatten sie trotz ihres Vermehrungsauftrages noch keine Kinder und noch viel wichtiger ist die Frage, haben sie Gott erst so wenig gekannt, dass sie der Lüge der Schlange glaubten?

Wenn Gottes Plan war, dass sie ihn ja wirklich kennenlernen sollten, ist diese Frage allemal berechtigt.

Der kundige Leser weiß, dass die Schlange Adam und Eva verführte vom falschen Baum zuerst zu essen. Was war allerdings die Sünde daran? Schauen wir uns angedrohte Konsequenz an:

1. Mose 3

3 aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!

Die Konsequenz war, dass sie sterben. Bevor wir fragen, ob das eine Strafe war oder eben eine Folge ihres Handelns, beobachten wir den weiteren Verlauf der Geschichte:

Was tat Gott nachdem sie von der Frucht gegessen hatten? Er kam wieder in der Kühle des Tages zu den beiden. Obwohl Gott wusste, dass sie etwas Falsches getan hatten, kam Gott weil er Gemeinschaft mit ihnen haben wollte. Der Sündenfall war also nichts, was Gott von den Menschen trennte, wohl aber andersherum.

1. Mose 3

9 Und Gott, der HERR, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?

10 Da sagte er: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin, und ich versteckte mich.

Das Problem war, dass die Menschen darauf hin keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben wollten. Das war das Grundübel der Menschheit. Ihre Schuld war nicht das, was Gott bewog sich als Strafe nicht mehr mit ihnen zu treffen.

Die Konsequenz des Sündenfalls

Die Konsequenz des Sündenfalls sollte, sein, dass Adam und Eva sterben sollten. Im weiteren biblischen Bericht fleuchen sie aber noch sehr rege durch die frühe Menschheitsgeschichte. Hatte Gott sich geirrt? Wenn ihr Leib und ihre Seele nicht gestorben waren, dann bleibt nur eines übrig: Ihr Geist! Daher sagt Jesus, dass dieser Geist erst wieder von neuem geboren werden muss, wenn wir ins Himmelreich kommen wollen:

Joh 3

3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Die Menschheit war um ihre Gottähnlichkeit beraubt worden und sie  konnte danach auch nur sehr unvollkommen mit Gott kommunizieren und nur wenige konnten in das Himmelreich hineinsehen. Hier schließt sich ein erster Kreis, der im ersten Kapitel begonnen wurde. Die Konsequenz des Sündenfalls war eben die, das die Menschen keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben wollten und auch nur begrenzt haben konnten, weil ihr Geist starb. Wie bereits aufgezeigt wurde, konnten solche, die Gott wieder suchten bemerkenswerte Erfahrungen des Himmelreiches machen. Es liegt bis heute nicht an Gott sich uns offenbaren zu wollen, sondern am Menschen, der Gott nicht sucht und keine Gemeinschaft ihm haben möchte.

Die Anthropologie des gefallenen Menschen

Sehr wichtig ist mir hier darzustellen, dass wir im Bericht des Sündenfalles keinem strafenden Gott begegnen sondern einem liebenden, der in seinem Plan mit den Menschen Gemeinschaft zu haben schmerzlich zurückgeworfen wurde.

Die Konsequenzen des Sündenfalles waren nicht Gottes mehr oder weniger willkürliche Strafmaßnahmen, sondern alleine Folgen des Handelns des Menschen. Gott suchte die Menschen auch nach dem Sündenfall, aber sie ließen sich nicht von ihm finden.

Es gibt einen eigenen Bereich der christlichen Ethik, die Scham- und Schuldethik, die Elenktik. Wir lesen im Schöpfungsbericht, dass Adam und  Eva sich für ihre Nacktheit im Paradies erst schämten, nachdem sie gefallen waren. Scham ist immer die Konsequenz unseres religiösen Maßstabs, aber nicht Gottes Maßstabs, denn er hatte keine Probleme mit der Nacktheit der beiden (das ist kein Aufruf zum Nudismus, denn wir leben in einer Welt dessen kulturelle Gegebenheiten wir respektieren sollten). Das Problem der Menschheit ist, dass durch die falsche Reihenfolge der geistlichen Nahrungsaufnahme, die Seele sich durch ihr Bemühen Gut und Böse unterscheiden zu können, sich zur autonomen leitenden Instanz des Menschen erhoben hat. Das nennt die Bibel im neuen Testament das Fleisch:

Röm 7

14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft;

Dieses Fleisch folgt durchaus selbst definierten religiösen Maßstäben, die dann Scham und Schuld erzeugen. Es ist hier noch zu früh, die Paulinische „in Christus“-Thematik zu entfalten, aber sie ist Gottes Antwort auf die Anthropologie des gefallenen Menschen.

Aber der Identitätsgebende Geist des Menschen war gestorben, so dass die Menschen ein ernsthaftes Problem hatten, sich selbst nun eine Identität außerhalb der Gemeinschaft mit Gott geben zu müssen. Wenn Gott der Erfinder von Gemeinschaft ist, wie sollen wir rechte Gemeinschaft ohne ihn lernen? Wenn wir nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, wie sollen wir uns eine rwhte Identität ohne ihn geben? Es ist kaum möglich.

Der Status Quo nach dem Sündenfall

Fassen wir am Ende dieses Kapitels zusammen: Gott wollte die Menschen in einer perfekten Umgebung kennenlernen, ihnen dann ewiges Leben schenken, dann durften sie auch Erkenntnis über Gut und Böse erlangen und alles wäre Palletti. Nun waren die Menschen schon da und sie haben sich gegen Gott entschieden. Aber Gott hat Hoffnung und vor allem einen Plan. Diesen kündigt er auch an:

1. Mose 3

14 Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens!

15  Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.

Der Erlöser der Menschheit wird kommen und er wird aus dem Samen (Nachkommenschaft) der Frau sein! Auch die „Flüche, die Gott den Menschen auferlegt, verdienen eine genaue Betrachtung:

1. Mose 3

16 Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!

17 Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! – so sei der Erdboden deinetwegen verflucht: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens;

18 und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen!

19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!

Gehen wir der Reihenfolge nach vor:

Schmerzen bei der Geburt: Sind diese von Gott oder eine Konsequenz, weil der Teufel nicht will, dass die Frau Nachkommenschaft auf die Welt bringt?

Nach dem Mann soll das Verlangen der Frau sein: Wenn die Frau als Psychologisch sensibleres Wesen nun keine Gemeinschaft mit Gott mehr haben kann, ist es mehr als logisch, dass sie dieses Defizit stärker kompensieren muss als der Mann.

Der Mann wird über die Frau herrschen: Die göttliche Schöpfungsordnung ist ja nun ein wenig aus den Angeln geraten. Der Mensch ist geschaffen zu herrschen. Wenn er das nicht mehr in Gottes Autorität tun kann, muss er sich seine Opfer woanders suchen. Über die Frau zu herrschen ist ein leichtes, denn ihr Verlangen ist ja nach dem Manne. Ich sehe hier weniger ein ethisches Konzept des Herrn für die gefallene Schöpfung, sondern die Kompensation der Defizite beider Geschlechter.

Der Erdboden ist verflucht: Gott hat die Herrschaft über die Erde den Menschen gegeben. Wenn diese in Autonomie ohne Gott angewandt wird, kommt einfach kein Erfolg zu Stande.

Im Schweiße deines Angesichts sollst du Brot essen: Wenn wir nicht auf Gottes Hilfe vertrauen, dann wird es für uns anstrengend, weil wir dann Arbeiten müssen.

Denn Staub bist du, zu Staub wirst du werden: Wenn Adam dem göttlichen Geist nicht mehr Inne hat, bleibt nur Staub übrig.

Wir sehen also, dass diese „Flüche“, wie übrigens jeder Fluch einzig Konsequenzen des Handelns des Menschen sind. Alle Ableitungen über Gottes Souveränität die sich in willkürlichen Strafmaßnahmen ausdrückt, sind hier fehl am Platze.

Gott straft nicht!

Wenn Gott nicht straft, dann ergeben sich für unser Leben nachhaltige ethische Konsequenzen, denn wenn Gott es nicht tut, sollten wir es auch nicht tun. Damit meine ich nicht, dass wir keine rechtsstaatliche Legislative, Judikative und Exekutive mehr brauchen, denn genau dafür ist der Staat da, um noch eine kleine Seitenbemerkung zur politischen Ethik zu geben:

Röm 13

1 Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten! Denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet.

2 Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil1 empfangen.

3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben;

4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe2 für den, der Böses tut.

Persönlich sollten wir einen Lebensstil der Gnade und der Liebe als Konsequenz, Gottes Ebenbild zu sein, anstreben. Dem Leser kann nur schwerlich entgehen, worauf ich die Betonung lege. Gott hat immer Gründe, warum er Dinge tut und wenn Dinge passieren, die wir nicht verstehen, dann sollten wir nicht Gott die Schuld geben, weil er nicht schuld daran ist. Hier wird die Frage hinfällig, die da heißt: Warum lässt Gott all das Leid auf der Welt zu! All das Leid der Welt ist von den Menschen selbst produziert und Gott ein Gott ist, der zu seinem Wort steht:

Psalm 115

16 Der Himmel ist der Himmel des HERRN, die Erde aber hat er den Menschenkindern gegeben.

Der gefallene Mensch ist nach wie vor der Besitzer der Erde und nicht Gott. Wenn wir wollen, dass Gott dennoch eingreift, dann geht das nur, wenn wir ihm durch unsere Gebete die Erlaubnis beten. Das können nur Menschen tun, die Gemeinschaft mit ihm haben und immer wieder suchen. Gott ist gut, er war es immer und er wird es immer bleiben!

Gottes Plan…

Warum hat Gott eigentlich die Welt geschaffen? Diese Frage mag stoisch anmuten, aber sie ist sehr wichtig. Das banale Problem ist, dass keiner von uns dabei war. Somit sind alle Untersuchung in die Genesis der Erde hinein und in die Eschatologie, also die Lehre der letzten Dinge, immer Spekulation. Zwei Dinge sind mir dabei allerdings wichtig zu bemerken:

  1. Alle Thesen der Genesis und der Endzeit dürfen nicht allein aus der Biblischen Prophetie hergeleitet werden, sondern sie müssen im Einklang stehen mit dem Gott der hier und jetzt seinen Charakter offenbart. Und gerade deshalb wage ich hier den Versuch einer Neudeutung der Berichte und Bibelverse, die wir über die Genesis haben. Denn wenn sie im Widerspruch zu unseren modernen pädagogischen, pneumatologischen, physikalischen oder um beim Thema zu bleiben: ethischen Erkenntnissen stehen, dann kann irgendetwas nicht ganz stimmen.
  2. Wir müssen sehr aufpassen, welche Assoziationen uns Deutungen dieser Dinge erzeugen. Wenn sie nur Angst, Gesetzlichkeit und Druck hervorbringen, der uns dazu führt, dass wir Gott noch weniger suchen wollen, weil immer mehr offene Fragen entstehen, als sie beantwortet werden, dann kann ebenfalls etwas nicht richtig sein.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Bibel uns ja einiges an Antworten liefert:

Eph 1,4

Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe,

Gott hat schon an Dich gedacht, bevor er die Welt erschaffen hat! Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn die gesamte Schöpfung hatte nur ein Ziel: Gott wollte mehr Kinder haben! Was braucht ein Gott dazu:

  • Einen Platz mit einem perfekten Setting
  • Zwei Menschen (diese können sich ja dann reproduzieren)
  • Sie sollen Gott in diesem perfekten Setting kennenlernen
  • Sie sollen alle ihren älteren Bruder kennenlernen
  • Sie müssen aus Gott geboren sein
  • Sie sollen ewiges Leben haben
  • Und einer von ihnen bist Du!

Es ist also schon mal hilfreich zu verstehen, dass Gott die gesamte Schöpfung gemacht hat, damit Du in ihr ihn kennenlernst! Wie hat Gott also angefangen?

…und sein Widersacher

1. Mose 1

1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde

2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Warum schafft Gott etwas Wüstes und Leeres? Ich weiß, dass einige Sprachwissenschaftler einige Klimmzüge anstellen, um damit zu beweisen, dass das hebräische Wort Tohuwabou eigentlich etwas ganz anderes bedeutet (aber meist nur, um alles was nun beispielsweise in meinem Essay über die unsichtbare Welt kommt zu demontieren).  Wenn das so wäre, dann frage ich aber weiter, wann der höchste aller Engel, den Gott geschaffen hat, und dem er die Welt gegeben hat und der diese durch Misswirtschaft kaputt gemacht hat und der dann fiel und üblicherweise als Luzifer (von griechisch Luziferos: Lichtträger) bezeichnet wird, dies alles gemacht hat:

Hesekiel 28

12 Menschensohn, erhebe ein Klagelied über den König von Tyrus und sage ihm: So spricht der Herr, HERR: Du warst das vollendete Siegel, voller Weisheit und vollkommen an Schönheit,

13 du warst in Eden, dem Garten Gottes; aus Edelsteinen jeder Art war deine Decke: Karneol, Topas und Jaspis, Türkis, Onyx und Nephrit, Saphir, Rubin und Smaragd; und Arbeit in Gold waren deine Ohrringe und deine Perlen an dir; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet.

14 Du warst ein mit ausgebreiteten Flügeln schirmender Cherub, und ich hatte dich dazu gemacht; du warst auf Gottes heiligem Berg, mitten unter feurigen Steinen gingst du einher.

15 Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis sich Unrecht an dir fand.

16 Durch die Menge deines Handels fülltest du dein Inneres mit Gewalttat und sündigtest. Und ich verstieß dich vom Berg Gottes und trieb dich ins Verderben, du schirmender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine.

17 Dein Herz wollte hoch hinaus wegen deiner Schönheit, du hast deine Weisheit zunichte gemacht um deines Glanzes willen. Ich habe dich zu Boden geworfen, habe dich vor Königen dahingegeben, damit sie ihre Lust an dir sehen.

18 Durch die Menge deiner Sünden, in der Unredlichkeit deines Handels, hast du deine Heiligtümer entweiht. Darum habe ich aus deiner Mitte ein Feuer ausgehen lassen, das hat dich verzehrt, und ich habe dich zu Asche auf der Erde gemacht vor den Augen aller, die dich sehen.

19 Alle, die dich kennen unter den Völkern, entsetzen sich über dich; ein Schrecken bist du geworden und bist dahin auf ewig!

Sicherlich wird hier nicht über einen irdischen König sinniert, denn es wird von einem Cherub geredet, also einem Erzengel. Wenn also dieser Satan, wie er auch genannt wird, vorher die Erde regiert hat und nun gefallen ist und die Erde durch Misswirtschaft ruiniert hat, dann bleibt die Frage, wann Gott die Erde wieder ganz gemacht hat. Diese Phase beginnend mit 1. Mose 1,2 zu positionieren, halte ich für ziemlich sinnvoll. Ich weiß es gibt auch andere Theorien darüber, aber diese finde ich am nachvollziehbarsten. Wenn wir das im Hinterkopf behalten, ergeben sich daraus auch einige sinnvolle Konsequenzen:

Die Engelsschöpfung

Gott hat anscheinend die Engel vor den Menschen geschaffen. Warum? Weil sie uns dienen sollen:

Hebr 1

14 sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?

Das macht auch Sinn, wenn Gott ein perfektes Setting für die ersten Menschen vorbereitet, in dem sie ihn kennenlernen sollen. Nun haben diese Engel anscheinend einen Willen von Gott bekommen, sonst hätten sie sich ja nicht gegen ihn entscheiden können. Die Anzahl der Engel, die sich gegen Gott gestellt hat, wird in der Bibel an mehreren Stellen mit einem Drittel beziffert:

Offb 12

4 Und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort, und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen.

Zugegeben zum Thema saubere Exegese müsste ich hier richtig tief in die Trickkiste greifen. Allerdings bei aller Exegese ist es genauso schwer in diesen Bibelvers etwas anderes hineinzuinterpretieren. Ich will auch auf etwas ganz andere hinaus. Egal ob Gott gewusst hat, dass sein höchster Engel abfallen würde oder nicht, eines bleibt doch festzuhalten:

Diese Panne- so sieht es zumindest auf den ersten Blick aus – hat Gott anscheinend nicht davon abgehalten seinen Plan mit Dir weiterzuführen. Anders ausgedrückt: die ganzen gefallenen Engel, die nun als Dämonen über den Erdball fleuchen, sind für Gott anscheinend kein ernstzunehmendes Hindernis gewesen, dass ihn dazu bewogen hätte, seinen Plan mit dir zu modifizieren oder zu unterbrechen. Wer mir nachsagt, ich würde viel über Dämonen reden, kennt mich wenig, denn ich rede viel lieber über die Engel. Diese sind in doppelter Anzahl vorhanden, wenn wir obige Stelle in diese Richtung auslegen, aber auch wenn nicht, dann gilt: Die Engel stehen unter göttlicher Weisung und sie sind da, um Dir zu dienen. Angst vor Dämonen ist daher nicht angebracht. Ganz im Gegenteil, ein Bewusstsein der Überlegenheit der göttlichen Heerscharen entspricht weitaus mehr der geistlichen Realität. Das ist, was Gott Dir so oder so sagt, ob ich nun recht habe oder nicht mit meiner Engelshypothese:

Eph 6

10 Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.

11 Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels.

12 Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

13 Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, …

 

Die unsichtbare Welt

Wenn Gott schon vor der Gründung der Welt an uns gedacht hat, ist die Frage, wo er dabei war. Diese Frage darf den Horizont des menschlichen Gedanken sprengen und sie wird meines Erachtens auch nicht in der Bibel beantwortet, wohl aber die Frage, wo Gott sich seinen Platz in der Schöpfung gemacht hat:

Hebr 12

22 Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung

Gott wohnt also im himmlischen Jerusalem. Und dort ist auch das Hauptquartier der Engel, wie wir lesen können. Interessanterweise ist diese Stadt sogar auf einem geistlichen Berg, dem Zion. Das Wort Jerusalem mag dem christlichen Leser sicherlich sehr vertraut vorkommen. Es darf die Frage gewagt werden, welches Jerusalem zuerst bei der Namensgebung berücksichtigt wurde. Der Blick in die Geschichte Davids hilft uns weiter, denn dort steht, dass das irdische Jerusalem vormals Jebus hieß und von David umbenannt wurde:

1. Chr 11

4 Und David und ganz Israel zogen hin nach Jerusalem, das ist Jebus; denn die Jebusiter wohnten dort im Lande.

Bei David lesen wir auch schon eine bemerkenswerte oft missgedeutete Aussage über den himmlischen Tempel:

Psm 5

8 Ich aber darf in dein Haus gehen durch deine große Güte und anbeten vor deinem heiligen Tempel in deiner Furcht.

Solche Bemerkungen lesen wir in einigen davidischen Psalmen. Welchen Tempel meint David denn in seinem Psalm, denn der irdische Tempel zu Jerusalem wurde noch nicht gebaut. Wenn wir in die Bibel schauen hilft uns nun der Blick aufs Ganze:

Hebr 11

13 Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie und bekannten, dass sie Fremde und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien.

Wenn wir also einige Schlaglichter der Bibel herauspicken, die uns solche himmlischen Sichten beschreiben, wird mehr und mehr offenbar, dass das keine Einzelerscheinungen waren, sondern etwas wozu wir alle berufen sind, wie es im Hebräerbrief ja für die Jetztzeit steht, nicht für die Episode nach unserem irdischen Ableben. Denn wenn der Autor des Hebräerbriefes (die Kirchenväter waren sich sicher, dass es Paulus war), darüber redet, sagt er, dass wir bereits dorthin gekommen sind und da er seinen Brief an die Hebräer sendet und nicht ins Totenreich, gilt das kanonisch auch für uns.

Abraham

Er sah die himmlischen Dinge und achtete daher sein irdisches Bürgerrecht für nichts. Also muss Abraham zu Lebzeiten eine Offenbarung der himmlischen Dinge bekommen haben.

Jakob

Er sah die Himmelsleiter und den offenen Himmel. Der geistliche Segen war ihm daher wichtiger als jeder irdische Segen.

Mose

Er baute die Stiftshütte nach dem Abbild, das er im Himmel gesehen hat.

David

Er legte seinem Sohn die Konstruktionspläne für den himmlischen Tempel vor, weil er den himmlischen Tempel im himmlischen Jerusalem gesehen hatte. Daher benannte er auch Jebus in Jerusalem um. Durch die Offenbarung über die himmlische Anbetung reorganisierte er den gesamten Anbetungsdienst und baute eine neue Stiftshütte, die Hütte Davids.

Hesekiel

Beschreibt in seinem Buch, wie er den Himmel durchschreitet und gemeinsam mit einem Engel den himmlischen Tempel abmisst.

Johannes (Autor der Offenbarung)

Er macht es Hesekiel gleich und misst den Tempel ein weiteres Mal ab.

Paulus

Selbst wenn er nicht der Autor des Hebräerbriefes ist, so ist seine Strategie, Menschen dahin zu führen, Gott mit aufgedecktem Angesicht in Herrlichkeit zu schauen, wie wir es im letzten Kapitel bereits gelesen haben.

Fassen wir also bis hierher zusammen:

  1. Gott wohnt im himmlischen Jerusalem in seinem Tempel. Dieses zuhause war nicht sein ewiges Zuhause, sondern Teil der göttlichen Schöpfung, wenn er erwähnt dass er Himmel und Erde erschaffen hat.
  2. Dort finden wir auch das Zuhause der Engel, die nicht gefallen sind.
  3. Interessanter Weise durfte der Teufel noch bis in die Zeit Hiobs hinein, in die Gegenwart Gottes treten, um mit Gott zu rechten, woher auch der Name: Diabolos (Dazwischenwerfer) kam.
  4. Die Schöpfung der unsichtbaren Welt ging die der sichtbaren voraus, denn der Bericht der irdischen Schöpfung beginnt erst im zweiten Vers des ersten Kapitel der Genesis, wo bereits der Teufel gefallen war.
  5. Es gab somit also eine geistliche Erde, weil die Erde ja dennoch im ersten Vers geschaffen ist und die Engel als geistliche Wesen sie ja bewohnten, obwohl die andere Dinge noch gar nicht erschaffen waren.

Joh 4

24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.

Die geistlichen Dinge waren zuerst. Deswegen lohnt es sich bei allen Hypothesen am Anfang darüber zu reden. Einen weiteren Grund finden wir im Epheserbrief:

Eph 2

6 Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus,

7 damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus.

Hier steht, dass der überragende Reichtum des Christus sich auf der Erde nicht erweisen kann, wen wir nicht mit Christus in der Himmelswelt sitzen. Hoffentlich wird nun immer deutlicher, warum ich bei den ersten Berichten der Bibel so auf diesen Aspekt eingehe. Er zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel, ist die Mitte der Paulinischen-„in Christus“-Theologie und die Himmelswelt ist die eigentliche Realität in der wir Leben. Deswegen empfinde ich es auch von Nöten, diese pneumatologischen Dinge in einen Ethikentwurf zu integrieren, denn die “in Christus“-Theologie sollte sicherlich nicht die theologische Doktorarbeit des Paulus werden, sondern sein geistliches Erbe an die Römer und die gesamte Christenheit.

Die Grundlage

Die möglichst genaue Analyse der geistlichen Welt in den Berichten der Bibel ist nunmehr ein weiterer Schwerpunkt, den ich mit diesem Ethikentwurf darlegen will, denn mit dieser Erkenntnis erklären sich viele historische Berichte der Bibel wesentlich tiefgründiger, als wenn wir uns nur mit den oberflächlichen Phänomenen beschäftigen.

Es ist bewusst keine Dogmatik, sondern im weiteren Verlauf dieses Essay soll aufgezeigt werden, dass wenn wir eine saubere biblische Anthropologie voraussetzen und die pneumatologischen Aspekte nicht ständig und mit Vorsatz ausblenden oder relativieren, wie es in der gesamten Bibelkinde fast zum Sport geworden scheint, weil man damit natürlich sofort eine wissenschaftliche Kontroverse auslöst, dass wir zu Ergebnissen kommen, die ich zumindest bisher in keinem ethischen Standardwerk gefunden habe.

Wenn wir zur Kraft der Urgemeinde zurückkommen wollen, um im nächsten Schritt diese sogar zu vermehren, dann brauchen wir auch mehr solche Entwürfe und nicht nur solche, die uns zu erklären versuchen, dass wir uns doch mit den 10 Geboten begnügen sollten.

Genau diesen Hunger will ich in jedem Studenten und Leser wecken: Hunger nach der Herrlichkeit Gottes und nach Erkenntnis und Offenbarung die wir aus dem Worte Gottes für uns empfangen, weil Gott uns im Himmel dieser Anteil haftig werden lässt. Wenn das so passiert, werden wir die Früchte sehen, die ich schon angekündigt habe, als da wären eine stärkere Liebe für den Nächsten, die Verlorenen und die Mission und Autorität im Gebet für die Kranken, Armen und Bedürftigen.

Ich weiß, dass wenn das unter uns zunimmt wir vielleicht einige Probleme mit Theologen bekommen aber nicht mit der Welt, die wieder eine Kirche sehen will, die voller Kraft und Vollmacht ist. Dass geschieht allerdings nicht durch Ökomene und das finden des kleinsten Gemeinsamen Nenners, sondern indem wir dem Himmelreich (und bitte nur diesem) Gewalt antun.

Matt 11

12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttuende reißen es an

Die Endzeit

In diesem Kapitel will ich nicht mehr auf die Endzeit selbst eingehen. Aber die Grundlage aller Endzeithypothesen sind die Alttestamentlichen Prophetien und die der Offenbarung des Johannes. Wenn es zwei unterschiedliche Städte mit dem Namen Jerusalem gibt und der Befund, dass wir schon zu Lebzeiten auch das himmlischen Jerusalem schauen und begehen sollen, dann ergibt sich auch die Frage von welchem Jerusalem die Rede in den genannten Prophetien ist.

Jer 3

17 In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron des HERRN nennen, und alle Nationen werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens des HERRN in Jerusalem. Und sie werden nicht mehr der Verstocktheit ihres bösen Herzens folgen.

Diese Prophetie aus dem Buch Jeremia ist sicherlich noch nicht erfüllt. Nun könnte man deuten, dass der Tempel in Jerusalem ja aufgebaut werden müsse, damit alle dann dort hinpilgern können. Das halte ich mit Respekt vor dem jüdischen Volk aber für ziemlich unlogisch, wenn Jesus uns den Weg auch ohne Priestertum und Mittler zum Vater frei gemacht hat.

Die These, dass es hier um den himmlischen Tempel geht, lässt diesem Bibelvers in einem anderen, aber wesentlich sinnvolleren Licht erstrahlen. Und wenn wir dem Missionsbefehl Jesus gewissenhaft befolgen, ist die Hoffnung groß, dass sich diese Weissagung bald erfüllt.

Daher wird auch für die spätere Deutung der letzten Dinge eine in diesem Sinne differenzierte Betrachtung sehr spannend werden und sei hier schon angesprochen.

Gott verändert sich nicht

Mit diesem Kapitel beginne ich nun meinen experimentellen Ethikentwurf zu verschriftlichen. Er beschreibt einen eigenen Ansatz, den gesamten heilsgeschichtlichen Plan Gottes zu betrachten, um dann ein ethisches Bild zu entwerfen, dass sich nicht mit punktuellen Moralvorstellungen begnügt, die zwar durchaus biblisch abgeleitet werden, allerdings dennoch die Frage offen lassen, ob es genau das war, was Gott mit seinen Aussagen meinte.

Daher gehen wir in den weiteren Ausführungen so chronologisch als möglich durch Gottes Terminkalender seiner Schöpfung, um somit den Versuch zu wagen, gerade in Bezug auf die Genesis und die Eschatologie brauchbare Aussagen zu gewinnen, die vor allem die Frage nach dem „Warum ist es gerade so?“ zu erklären versuchen. Dieser Fragesatz soll fast wie eine Überschrift über jeder Betrachtung stehen, denn wenn wir nicht verstehen, warum Gott die Dinge so gemacht hat, wie sie nun mal sind, dann fällt es schwer, Richtlinien fürs eigene Leben daraus abzuleiten, die über einen reinen Gehorsam hinausgehen. Ich glaube Gott möchte selbstständige, konstruktiv-kritische reife Kinder als sein Gegenüber haben und man findet bei genauem Hinsehen in seinem Wort auch wirklich viele Begründungen die Gottes Handeln hinreichend erklären. Wenn wir also seinem Vorbild folgen wollen, scheint es mir hilfreich, unser Verhalten von der göttlichen Art zu agieren abzuleiten.

Sicherlich werden wir in der Betrachtung der Handlungen systematisch und der Reihenfolge nach vorgehen. Auf der Suche nach Argumenten danach, warum genau das zur bestimmten Zeit stattgefunden hat und was Gott damit bezweckte, ist es unabdingbar, Verweise der gesamten Heiligen Schrift heranzuziehen. In dieser Erklärung der Arbeitsweise steckt eine stille Schlussfolgerung, die für den menschlichen Charakter alles andere als selbstverständlich ist, für den göttlichen aber schon:

Hebr 13

8 Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.

Wir gehen also davon aus, dass Gottes Charakter und der seines Sohnes sich im Rahmen des Heilsgeschehens nicht verändert haben. Das mag für manche schon eine mutige Hypothese sein, weil gerne zwischen einem Alttestamentarischen und einem Neutestamentarischen Gott unterschieden wird, da manche Handlungsweisen Gottes im Alten Testament so unerklärbar wirken, wenn wir sie im Lichte eines gnädigen Gottes betrachten wollen, wie wir ihn besonders deutlich im neuen Testament kennenlernen. Sicherlich richtig ist, dass Gott im neuen Testament – wie der Name schon sagt – einen neuen Bund oder Vertrag mit den Menschen geschlossen hat, aber wenn wir davon ausgehen, dass Jesus auch im Alten Testament von seinem Charakter her der Gleiche war, dann wird es besonders spannend zu sehen, wie Gott sich bereits im Alten Testament gemäß dieses Charakters offenbart:

Jak 1

17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.

Gott verändert sich nicht! Weder in seinem Charakter, noch in seiner Person, nur in der Art und Weise, wie er sich uns offenbart.

Die Inspirationsfrage

Wenn wir die Bibel als Grundlage für jegliche Argumentation nehmen, dann gibt es hier eine weitere Absprache, die in der modernen Theologie nicht immer akzeptiert wird. Daher möchte ich die Frage, welche Hermeneutiker durch die gesamte Kirchengeschichte immer wieder kontrovers beschäftigt hat, hier zusätzlich voranstellen.

Wie genau nehmen wir es mit der Heiligen Schrift? Ein Hauptvorwurf der Evangelikalen an die charismatische Bewegung ist, dass sie eine mangelhafte Exegese des Wortes Gottes betreibt. So wahr dieser Vorwurf bisher war, möchte ich den Spieß an dieser Stelle aber auch umdrehen und fragen, warum die Evangelikalen in ihren Exegesen immer einen Riesenbogen um alle Schriftstellen gemacht haben, die sich mit dem Heiligen Geist, der biblischen Anthropologie oder Paulinischer-„in Christus“-Theologie beschäftigen. Gerade die unbrauchbare Exegese zu diesen Themenbereichen hat die charismatische Bewegung entstehen lassen.

Bevor nun die Inspirationsfrage aufgegriffen werden soll, will ich darlegen, warum ich auf gute Exegese eingehe: Die klassischen Einleitungsfragen, welche man an einen biblischen Text stellt, helfen ja meist, den Text stärker zu erleuchten. Gerade die Verfasserfrage und die Suche nach den Rezipienten des Textes, sowie die Beschäftigung mit den kulturellen Begebenheiten der damaligen Zeit helfen, die Frage zu beantworten, warum im Text steht, was wir lesen und ob wir auch das lesen, was der Verfasser gemeint hat.

Und nun sind wir bei der Inspirationsfrage: In wie weit ist Gott der Verfasser?

2. Tim 3

16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,

Gott hat die Schrift eingegeben, aber hat er dem Verfasser nun die Hand gelenkt oder Wort für Wort diktiert? Der Punkt ist, dass diese Frage um so mehr in den Hintergrund rückt, je weiter ich den Sack der Worte der Heiligen Schrift öffne. So wie man in der Auslegung der Heiligen Schrift achtsam sein sollte, Bibelstellen nicht zu isolieren oder außerhalb des gegebenen Kontextes zu betrachten, so sind wir in Bezug auf die Auslegung der Heiligen Schrift auf einer sichereren Seite, wenn wir – wie in diesen Essays – das gesamte Spektrum göttlicher Offenbarung zu verstehen zu versuchen und nicht von einer punktuellen Schriftstelle ausgehend versuchen, ein Bild des großen Ganzen zu zeichnen.

Ich beantworte hier die Inspirationsfrage nicht vollends, aber ich glaube, dass es gar nicht notwendig ist, dass Gott Wort für Wort dem vom Heiligen Geist inspirierten Verfasser diktiert hat. Wenn es doch so sei – umso besser. Aber dann sind die vielen Abschreibfehler nicht so ganz leicht zu erklären.

Was ist also meine Vorgabe? Ich glaube, dass die gesamt Heilige Schrift von Gott inspiriert und den Autoren eingegeben worden ist und dass man aus dem Wort Gottes, den Charakter Gottes so weit ableiten kann, wie es nötig und notwendig ist.

Das Wichtigste

Nun mag man fragen, warum die bestehenden Ethikentwürfe nicht ausreichen und hier ein weiterer von Nöten ist? Nehmen wir nur das Beispiel der Paulinischen“in Christus“-Theologie auf. Während der Römerbrief die Theologie des Paulus wunderschön entfaltet, so können wir in der Kombination aus Apostelgeschichte und Korintherbriefen praktisch erfassen, wie sie angewendet wurde. Und somit sind wir entscheidend beim Thema der neutestamentlichen Exegese. Denn gerade das 12. und 14. Kapitel des Korintherbriefes wird von Theologen nur sehr ungern angefasst, weil eines existenziell wichtig ist, um die Bedeutung der dort stehenden Verse zu erfassen: Ich brauche eine lebendige Beziehung zu einem übernatürlichen Gott. Sonst sind die Verse dieses Kapitel nur böhmische Dörfer, weil wir sie mit nichts vergleichen können, was mit unserer Erlebniswelt zu tun hat. Aber um diese geht es in der Ethik. Paulus bringt in einem Vers seine gesamte Ethik auf den Punkt:

2. Kor 3

18 Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.

Wir werden motiviert, verändert und verwandelt indem wir Gottes Angesicht und seine Herrlichkeit mit aufgedecktem Angesicht betrachten. Wer diese Erfahrung nicht gemacht hat, dem will ich mit diesem Essay helfen hineinzutreten. Andererseits ist es schwerlich, sich von Menschen, welche diese Erfahrung nicht gemacht haben die Art und Weise erklären zu lassen, wie Gott verändert und was er von uns möchte. Sonst müssen wir mit Hiob übereinstimmen, der Gott anfangs auch nur vom Hörensagen kannte und dennoch sich anmaßte, eine Reihe von Kapiteln der Heiligen Schrift mit seinen Ansichten (ob sie wohl auf biblischer Höhe waren?) zu füllen.

Hiob 42

5 Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.

Aber auch schon bei ihm sehen wir die göttliche Therapie, welche die Gleiche war, wie bei Paulus. Außerdem sehen wir wieder, dass wir uns genau überlegen müssen wer welche Worte für wen gesagt oder geschrieben hat, um den wirklichen Gehalt der biblischen Worte für uns bestimmen zu können. So sind die Aussagen von Hiob vor dem 42. Kapitel sicherlich nicht vom Heiligen Geist inspiriert. Die Verse in der Bibel dagegen schon, nur was will Gott uns damit sagen, dass er so unsaglich viele Kapitel den Hiob zu uns reden lässt und das, wo wir wissen, dass es alles nichtige Dinge sind? Fest steht, dass die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes und das Schauen seines Angesichts Hiob so verändert hatte, dass er hernach ein Anderer war. Das taten seine Einsichten in den vorhergehenden Kapiteln definitiv nicht. Schon wen wir diese Erkenntnis erfassen, dann hat sich das Lesen des Buches Hiobs gelohnt, oder? Wir werden darauf noch intensiver eingehen, aber hier sei schon Gottes Weg mit uns angeklungen: Gott will sich uns offenbaren. Es ist begeisternd dafür in der Bibel zu lesen und auf diese Weise Gott kennenzulernen. Aber ist das alles nicht auch nur Hörensagen, wenn wir das Gelernte der Bibel nicht anwenden, um selbst in diese Erfahrung der erlebten Gegenwart Gottes hineinzutreten, wie es die Wolke von Zeugen tat, die wir mit ihren Berichten dort wieder finden? In diesem Sinne soll dieser Ethikentwurf dazu beitragen, den Wunsch zu wecken all die Verheißungen und Segnungen selbst zu erleben, die Gott in seinem Wort versprochen hat.